Künstlerische Haltung

Aus einem Gespräch über die künstlerische Haltung mit Markus Kronberger, Künstler in Nürnberg, Dozent und Lehrbeauftragter: Eine künstlerische Haltung zu entwickeln heißt, sich zu beschränken, sich einzulassen auf ein bestimmtes Thema, auf eine Vorgehensweise, ein Material …

So wie der englische Landartkünstler Richard Long, der in der Landschaft Linien geht, hin und her, bis Spuren sichtbar werden, die er fotografiert und so das vergängliche Landschaftskunstwerk festhält. Oder wie der amerikanische Maler Brice Marden, der sich von den Lineaturen japanischer Gelehrtensteine inspirieren lässt und dabei seine eigene Linie findet. Vielfältig mit Einfachem arbeiten, statt einfältig mit Vielfachem.

Eine künstlerische Haltung entwickeln heißt dann: Sich selbst einbringen in diese Gestaltung, einen eigenen Ausdruck finden, der den eigenen Fragen, Themen und Zweifeln entspricht. Die Gestalt und Zerbrechlichkeit der eigenen Existenz in Materie fassen. Die Linie des eigenen Lebens verlieren und finden. Unabhängig von den Vorlieben des Publikums und dessen Zustimmung. Mit dem Risiko des Scheiterns, nicht vor Publikum, sondern vor sich selbst, und dem Anspruch, etwas vom Eigenen zu gestalten.

Es gibt, so stellen wir fest, Analogien zu einer guten Professionskultur, nicht nur beim Berater, sondern bei vielen Professionen: Gut, wenn ich ein Gefühl dafür bekomme, worauf ich mich einlassen kann, um darin Meister zu werden – als der ich bekanntermaßen nicht vom Himmel falle, sondern zu dem ich durch Übung, Scheitern und Neuanfang erst werde. Gut, wenn ich bei aller professionellen Weite und Neugier weiß, was meine Kernfähigkeiten und Gaben sind, mein Genius.

Und gut, wenn in meiner Meisterschaft etwas von mir Gestalt gewinnt. Wenn ich das, was ich kann, nicht nur mache, weil es zum Markt passt oder von meiner Organisation gefordert wird. Sondern wenn – nicht immer, aber an wesentlichen Punkten – Herzblut im Spiel ist. Das sei, so Markus Kronberger, der Unterschied zwischen dem Künstler und dem Kunsthandwerker: Der Kunsthandwerker macht, was der Markt (oder der Chef) will. Er bedient Traditionen. Die Künstlerin steuert sich – bei allem Blick auf Markt oder Aufgabe – danach, was sie selbst kann und will. Mit dem Risiko, sich zu verfehlen. Und der Chance, etwas Neues anklingen zu lassen.

Informationen zum erwähnten Gesprächspartner, mit dem ich gemeinsam auch schon Seminare durchgeführt habe: www.markus-kronberger.de

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