Führen im Spiegel biblischer Gestalten

Biblische Gestalten sind bei vielen tief eingegraben als Bilder aus Erziehung und Religionsunterricht. Menschen aus einer fernen Welt, verbunden und gedeutet mit kindlicher Fantasie, gemalt in den Farben der Erinnerung und der Emotion: Manche sind uns vertraut, strahlen Wärme aus, manche sind mit kritischen und möglicherweise negativen Konnotationen Bilder des Respektes und manchmal der Angst.

Mit diesen eingegrabenen Bildern im Blick auf Führung im Coaching oder in Gruppen zu arbeiten, ist eine besondere Herausforderung, denn es es geht im Sinne des Wortes ans Eingemachte: Das, was in uns drin ist und was uns seit langem schon vertraut ist, mit allen positiven und negativen Gefühlen. Es irritiert anfangs, dass biblische Gestalten moderne Typen von Führung abbilden. Zugleich verändert es den Blick: Von uns auf sie, von ihnen auf uns.

Im Workshop oder auf Unterwegs-Seminaren nutzen wir eingebrannte Bilder neu: Was können wir von Jakobus, Jeremia, Petrus, Maria Magdalena und Co. lernen? In bewusst knapp gehaltenen Charakterisierungen werden zunächst die biblischen Gestalten aus der Erinnerung in die Gegenwart geholt – in all ihrer Ambivalenz. Beispiel Hiob: Der trotz aller Rück- und Tiefschläge, trotz aller existentiellen Bedrohungen, trotz aller rationalen Gegenargumente, die seine Freunde bringen, an seinem Glauben, an seiner Idee von Gott festhält. Beispiel Maria Magdalena: Sie will es allen recht machen, ist der beziehungsorientierte Typ im Team, aber vergisst dabei, an sich zu denken, mit den eigenen Kräften, den eigenen Ressourcen zu haushalten. Beispiel Petrus: Der begeisterte, treueste und fleißigste Anhänger von Jesus, der in der Nacht der Verhaftung so kläglich illoyal ist.

Was ist das Typische, was das Ambivalente an den Figuren? Was sagt mir welche Gestalt im Blick auf Führung? Welcher Gestalt fühle ich mich nahe – und welcher nicht? Fragen, die in einer ersten Begegnung mit den biblischen Gestalten leiten. Man kann die Figuren in grafischer Form oder nur mit den Namen in verschiedenen Ecken eines Raumes anpinnen, so dass die Teilnehmenden sich bewegen müssen zu den Gestalten, mit den anderen Teilnehmenden ins Gespräch kommen.

Ein abschließender Impuls führt die Teilnehmenden zu der Person, die ihnen nun am nächsten ist: In der Gruppe diskutieren sie, warum es gerade zum Beispiel Judas ist, der einem doch irgendwie nahe ist, der als der Verräter gilt, aber eben doch zu Beginn Jesu eifrigster Unterstützer und Berater war. Oder warum ist es gerade Amos, der große Prophet aus dem Alten Testament, der so leidenschaftlich gegen Reichtum und falschen Kult wettert. Was gibt das uns im Blick auf Führung, was kann ich von den Personen im Blick auf Führung mitnehmen?

Der Ertrag: Die alten Bilder, die man aus der Kindheit mitbringt, werden neu gedeutet, im Blick der anderen, im eigenen Verständnis. Natürlich: Es ist nicht jedermanns und –fraus Sache, sich auf biblische Gestalten, auf religiöse Prägungen einzulassen, sich damit auseinanderzusetzen. Das Allerwichtigste deswegen: Toleranz und Freiheit, niemand kann und darf zu einer solchen Beschäftigung gezwungen werden, es ist ein freiwilliger Schritt, der Andersdenkende und –glaubende in ihrer Freiheit respektiert und schützt.

Wer sich gerne drauf einlässt, gewinnt neue Perspektiven auf alte Personen – und für sich selbst.

 Zum Beispiel beim Seminar "Mit Jakobus Unterwegs - Haltung gewinnen - Perspektiven entdecken" vom 25. bis 27. Juni auf Jakobswegen in und um Rothenburg ob der Tauber.

Neuen Kommentar schreiben

Full HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.